
Atem: Ein Königsweg.
Seit Jahrtausenden und in fast allen Hochkulturen pflegt der Mensch einen bewussten Umgang mit dem Atem. Die verschiedenen Wortbedeutungen, die in den alten Sprachen aufbewahrt sind, legen davon Zeugnis ab: Atem ist Lebenskraft, Lebensprinzip, forschender Geist, Seele, Lebensgier, Hauch, Geist, Wind und Duft. Das Wort für "atmen" meint auch: wehen, fächeln, riechen, wittern, flüchtig berühren.
Heute unterscheiden die alternativen Atemlehren ähnlich der Schulmedizin den äußeren Atem (Austausch zwischen Lunge und Luft) von dem inneren Atem (Austausch zwischen Zellen und Blutstrom).
In der Arbeit am äußeren Atem können die vielschichtigen Wechselwirkungen im Austausch zwischen Innen und Außen bewusster werden. Mit der Zeit wird eine grundlegende Sensibilität für Rhythmen und ihre gestaltgebende Wirkung geweckt. Erschließt sich Atem darüber hinaus als Lebensprinzip, werden mit ihm die Dimensionen, in die menschliches Sein eingebettet ist, erfahrbar. Ein wesentliches Ziel meiner Arbeit ist in diesem Zusammenhang die Wiedergewinnung der rhythmischen Spontaneität, die den Atem als Lebensfunktion auszeichnet.
Der innere Atem braucht die Einkehr und wird als ein Strömen, Fließen erlebt, das ein Eintauchen in die Tiefenschichten ermöglicht. Hier lassen sich die leibgebundene innere Ordnung und die Intelligenz der Organe erkennen, Impulse und Bilder finden und der dynamische Prozess ganzheitlicher Selbstorganisation erfahren. Von diesen zutiefst heilsamen Erfahrungen geht meine Arbeit aus, von hier aus lässt sich leib-seelisch-geistige Integrität neu begreifen und wird sie lebbar.
So wie im Menschen innerer und äußerer Atem naturgegeben immer zusammen wirken, sind sie auch beide im Begriff der umfassenden 'Innenbewegung' enthalten.
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